Vertrauen ist gut, LS-100 ist besser…

Vorgestern war ich mal wieder unterwegs, um eine Band zu filmen – nein, nicht „Jäst“, die ich hier beim Soundcheck geknipst habe, sondern „CU„, eine Coverband aus dem Frankfurter Raum. In diesem Fall die „Vorgruppe“ oder auch „Support“ oder „Anheizer“.

Wir hatten insgesamt sieben Kameras am Start – fünf fix und zwei Handkameras. Dabei eine Insta Action Cam und eine dji Pocket3. Der Rest OM-1, weil die unbeaufsichtigt ne Stunde durchfilmen können und zwei E-M1II als Handkameras. (Wegen des Video-Zoomrahmens) Auf der Bühne 17mm 1,8, das 1,8er Fish und ein FT-11-22, an den Handkameras 14-35 f/2. (die besten Video-Optiken, die Olympus für FT/mFT je hergestellt hat.) Der Kollege sitzt Stage left, ich versuche mich jeweils vor der Bühne am Boden entlangzuschlängeln. Kein Fotografengraben, also immer vor die Füße der Gäste werfen.

So weit alles wie üblich. Man filmt den Gig durch und bei der Schlussverbeugung habe ich dann wie immer fett gelost. Denn ich habe von hinter den Drums über das Publikum gefilmt und auf einmal brüllt irgendwer „dreht euch um für das Foto!“ und die Band dreht sich um für das Abschiedsfoto und ich bin so im Film-Film, dass ich nicht auf A drehe, sondern nur das Video beende und mehrfach auf den Auslöser drücke. Natürlich gibt’s da kein Foto sondern nur einen AF – also kein Bandfoto zum Schluss.

So what, ich bin ja auch nicht zum knipsen da, sondern zum Filmen.

Was ist außerdem alles schiefgegangen?

Die Pocket3 macht HVEC, den kann man uraltes Magix nicht. Ansonsten ist die Qualität bei den schlechten Lichtverhältnissen phantastisch und sie lässt sich perfekt mit den Olys mischen. Die Insta stinkt da gewaltig ab. Die Dynamik ist weit schlechter, die Rauschunterdrückung bügelt die Details weg – die Auflösung ist eine Klasse drunter. Alle Kameras waren übrigens auf FHD eingestellt.

Wenn man Olys im Multicam-Mode bei einem Rockkonzert betreibt: bei jeder einzelnen Kamera extra nachsehen, ob der Limiter ausgeschaltet ist. Der Limiter verhaut den Sound, weil er immer wieder Peaks verschluckt. Der Sound aus der Kamera ist zwar wumpe – wird ja nicht verwendet – aber zum Syncen braucht man halt genau die Peaks, die die Kamera verschluckt.

Womit wir beim Sound sind: Es wurde uns ganz professionell versprochen, dass wir die Einzelspuren aus dem Pult kriegen. Das ist natürlich ein Jackpot, weil ich dann nicht vom Saalsound aus dem Pult abhängig bin bei dem natürlich in so einem kleinen Club das Schlagzeug abgeregelt ist. Aber trau, schau wem, habe ich meinen LS-100 über die Bar gelegt, damit ich im Zweifel immer noch einen Saalsound habe. Notfall-Fallback.

Und siehe da: auf dem Stick waren 18 Spuren, 12 davon frisch gewaschen. Zweimal das Schlagzeug, die zwei Gitarren, der Bass und dann die Saalsumme. Kein Keyboard, keine einzelnen Gesangsstimmen.

Also habe ich den Sound mal wieder aus dem LS-100 nehmen müssen. Und natürlich – it never fails – haben die Leute an der Bar lautstark reingequatscht. Ob man aus allen Spuren irgendwas brauchbares zusammenstückeln kann, muss ich noch ausprobieren. Hier auf jeden Fall mal der Erstschnitt, den ich Samstag Nacht im Hotelzimmer am Laptop zusammengestrickt habe. (Da ist der Clip aus der Pocket noch nicht drin.) Ohne Vorspann und Abspann. Wenn der Schnitt fertig ist, wird das Video ersetzt.

Und nun ist der Schnitt erst mal fertig. Ich habe nun den Sound aus dem LS-100 durch den Sound aus einer OM-1 ersetzt, die Stage left an der Bühne stand. (Merke: Grundsätzlich bei allen Kameras Limiter aus und die Mikrofone auf -10 setzen. ) Damit ist das Gelabere an der Bar weg. Titel und Abspann dazu, fertig.

Die Spuren aus dem Mischpult hatte ich sogar zu einem ganz anständigen Sound verwursten können – nur, leider, haben die Vollprofis am Pult anscheinend die Quantisierung aktiviert und damit liefen Ton und Bild ratzfatz auseinander. Nicht korrigierbar. Irgendwas ist halt immer. (BTW: Der Ton aus der Insta war gruselig.)

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