Das hier ist ein Schmelzwassersee in Wettenhofen. Links der Besitzer des Feldes, rechts der Besitzer des neben dem Feld liegenden Haus. Diskussionsgegenstand ist die „Gma“, die den – vorhandenen – Straßengraben nicht ausbaggert.

Das da ist der Öschibach. (Sorry wegen des trüben Wetters, kommt vor.) Der Öschibach ist der Abfluss des Öschinensee oberhalb von Kandersteg. Irgendjemand hat den See vor einiger Zeit auf Insta gepostet und seitdem drängeln sich da pro Tag bis zu 7500 ganz wichtige Instagrammer. Die Gemeinde hat mehrere Fußballfelder Almwiese planieren müssen, um ausreichend Parkplätze zu schaffen. Die Gondelbahn ist komplett ausgelastet und oben am See gibt es jetzt Rundfahrten mit Elektrokarren.

Ich war vor Corona das letzte Mal dort oben… Da war schon auch Betrieb – aber eben ein Bruchteil.

Mir geht es aber um was anderes. Da rechts oben am Hang ist so eine winzige Zacke. So sieht die aus der Nähe aus:

Das ist der sogenannte „Spitze Stoa“. Und man erkennt da unterhalb so eine waagrechte Schichtung. Und alles oberhalb dieser Schichtung rutscht des Sommers. Mal ein paar Millimeter pro Tag, mal ein paar Zentimeter. Das sind so grob 16 Millionen Kubikmeter „Stoa“. Man nennt das in Kandersteg die „Rutschsaison“. Im Winter ist der Weg links vom Oeschibach offen, in der Rutschsaison ist er gesperrt.

Wenn es mal „in der Saison“ heftig regnet, kann kommen immer mal wieder ein paar Kubik runter – was ein bisschen die Hoffnung ist, denn wenn alles auf einmal kommt, dann gibt’s ein Problem. Denn so vom Bach aus, mit 11mm Brennweite, sieht das alles winzig und weeeeeeit weg aus – aber wenn es halt runterkommt, dann ist das heftig.

Damit das „Geschiebe“ – also der Schutt, den so eine Gerölllawine anschleppt – nicht unkontrolliert in Kandersteg Verwüstungen anrichtet, hat diese Gemeinde mit etwas mehr als tausend Einwohnern angepackt und das hier gebaut:

Das ist eine Art Auffangbecken, das das aufhalten soll, was durch das Tal bis hier durchkommt. Denn wenn es kommt, dann ist das nicht einfach Schutt, sondern viel Wasser mit viel Steinen. Wasser ist heftig, aber das kriegt man kanalisiert. Schutt staut sich auf. Und mit dieser Sperre fangen sie derzeit den Schutt auf, der bei ganz normalen Gewittern runterkommt. Und dann baggern sie die meterdicke Schuttschicht wieder weg und verwenden das Material gleich dazu, die Dämme zu erhöhen.

Klar, wenn da morgen die ganzen 16 Millionen Kubikmeter auf einen Schlag runterkommen, dann war’s das. Das reicht, um einen Quadratkilometer 16 Meter hoch zuzuschütten. Was in etwa die Fläche des Öschibachtals samt Kandersteg bis zur Bahnlinie ist. Aber es besteht die Chance, dass das Zeug eben portionsweise kommt.

Und aufschieben ist keine Option. Sonst kommt das Geschiebe. Denn dass es kommt, ist sicher. Es ist nur die Frage wann.

Dinge fotografieren, so lange es sie noch gibt.

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