
Da stolperte mir doch tatsächlich mal wieder ein Artikel in den Browser, bei dem es um die Wahrscheinlichkeit geht, dass in den nächsten 50 bis 150 Jahren die gesamte Wissensbasis der Menschheit wegbricht, ähnlich einem Ereignis wie es in der Spätantike passiert ist.
In dem Artikel wird die Wahrscheinlichkeit zwischen 86 und 93% beziffert.
Boah Alter. Wir sind verratzt.
Der Artikel ist – Oh Wunder – zu gut 90% eine Einlassung von „Grok“ zu diesem Thema, der die entsprechenden Wahrscheinlichkeiten berechnet hat.
Nu bin ich ja selbst ein Verfechter des Buches und des Misstrauens gegen Cloud-Server. Also sollte ich da doch ziemlich auf der Welle der Autorin schwimmen. Tu ich aber nicht. Weil man bei der Beurteilung der Risiken eben merkt, dass hier eine KI labert, die Prospekte gelesen hat und eine Autorin, die auch nicht wirklich tief in der Materie steckt.
Ich war mal in dieser Archivars-„Blase“. Und habe ein bisschen von den Problemen mitbekommen, die die haben. Bücher sind total knorke als Informationsträger. Leider sind die tatsächlich alterungsbeständigen Bücher extrem in der Minderzahl. Die Papiere, Bindemethoden und Druckverfahren, bei denen wir über 500 Jahre Haltbarkeit reden, sind teuer. Und dabei geht es nur darum, dass die ungelesenen Bücher nicht im Regal auseinanderfallen. Wer daran denkt, eventuell ein Buch über 500 Jahre auch tatsächlich zu lesen – der muss über Technologien reden, wie sie im Mittelalter entwickelt wurden.
Die Kamerabücher, die ich im Digitaldruck herstellen habe lassen, dürften mit viel Glück die Kamera überleben.
Womit wir bei Technik und den von Grok promoteten Speichermedien sind. BluRay oder M-Disk oder was auch immer. Jo. Hält angeblich mehrere hundert Jahre. Supi. Dann kann man im Jahr 2326 damit Frisbee spielen, denn die Idee, dass es dann noch Lesegeräte dafür gibt, ist absurd. Kennt jemand noch ZIP-Laufwerke? Diese blauen 100MB-Datenträger? Da werden gebrauchte Lesegeräte für SCSI extern für 450 Euro angeboten. Und die gab’s vor 20 Jahren noch neu. Zip waren Ende der 90er die am weitesten verbreiteten Massenspeicher in der Größenklasse.

Wer von euch hat noch einen 25-poligen SCSI-Anschluss am PC? Syquest-Festplatten? War mal Industriestandard. QIC-Cartridges? Ja, da kriegt man noch gebrauchte Laufwerke dafür. Nun bräuchte man nur noch einen Rechner mit internem SCSI-Controller (Adaptec, ISA-BUS) , auf dem das NLM läuft, mit dem man seinerzeit unter Novell 3.11 dieses Band beschrieben hat. Ach dumm – Novell 3.11 war nicht Jahr 2000- fähig. Novell 3.11 ist auf 5,25″-Disketten ausgeliefert worden. Also einen Computer, mit 5,25″-Laufwerk. Laufwerk habe ich, also ein Mainboard mit einem Diskettencontroller on Board. Gibt’s nicht mehr. Doch. Gebraucht.

Deswegen haben Archive ganze Lagerhallen voller alter Computerhardware, damit sie überhaupt noch an den Kram rankommen, den sie da archivieren. Und alle zehn Jahre fällt die Hälfte simpel aufgrund der Alterung der Halbleiter endgültig aus. Ersatz gibt’s nicht. 300 Jahre Haltbarkeit des Datenträgers? Klar doch. Versuche mal jemand, eine Corel Draw 4-Datei zu öffnen. Und Corel gibt’s noch. Logitech Finesse? Oder, Gott Bewahre, Geoworks? Von Xerox Ventura 1.0 reden wir gar nicht erst.
Und Cloud-Speicher? Da ist vor einiger Zeit ein Rechenzentrum in Straßburg abgebrannt. Von OVH. Wech war’s. Und alle Backup-Server auch. In der Golfregion haben die Iraner auch ein paar Rechenzentren hochgehen lassen. Also gehen wir davon aus, dass eine Sicherung in der „Cloud“ genau so zuverlässig ist, wie „Wolke“ klingt.
Gedruckte Bücher sind also kein Königsweg, aber jeder digitalen Speicherung überlegen. Im Rahmen des Artikels geht es dabei auch nicht um die rein private Aufbewahrung der schönsten Ferienerlebnisse und leckersten Schnitzel auf Mallorca, sondern ganz pragmatisch um wissenschaftliche und geschichtliche Fakten, die eben auf Papier und in Auflage gedruckt, erheblich an Austauschbarkeit und Verlässlichkeit gewinnen. Natürlich kann man auch auf Papier Unfug drucken, aber der Unfug ist dann zumindest in allen Exemplaren der gleiche und eine Fälschung schwierig.
Wirklich langfristig haltbar sind Schriften, die in Stein gemeißelt und dann idealerweise vier Meter tief verbuddelt werden. Die Farbauflösung und Dynamik solcherart erstellter Bildwerke ist aber eher unbefriedigend.
Also: Privat NAS mit SFT1, dazu Backup-Festplatten in anderem Gebäude. Und für die öffentlichen Archive eine Hybrid-Speicherung. Jedes Archivgut digital und analog.
Warum kam das Thema wieder auf: Weil Herr Weimer, seines Zeichens Kulturstaatsminister, mal kurz den Erweiterungsbau der deutschen Bibliothek in Leipzig auf Eis gelegt hat. Die Deutsche Bibliothek soll ihren Krempel gefälligst nur noch digital speichern. Ein schlauer Kerl, der Herr Weimer.

Das Titelbild? Ein Iomega Ditto Streamer Easy800. Hat seinerzeit 400MB unkomprimierte Daten gespeichert. Damit das Ding läuft, bräuchte man einen Win98-PC mit paralleler Druckerschnittstelle…. Und natürlich die originale Software.
Ich habe vor kurzem einen Haufen 3.5″ Disketten auf dem Estrich entdeckt (über 200 Stück). Sie stammen ungefähr aus den Jahren 1986 bis 2001. Zu meinem grossen Erstaunen waren sie praktisch ausnahmslos noch vollständig lesbar! Nur einzelne Dateien waren defekt. Die Geräusche beim Auslesen waren zum Teil interessant. 😉
Die Daten konnte ich aber nur retten, weil ich bisher keine Lust hatte, den uralten, ohrenbetäubend lauten Windows XP Rechner mit Diskettenlaufwerk zu entsorgen.
Die 5.25″ Disketten musste ich ungelesen entsorgen, weil ich das externe Laufwerk dafür schon lange nicht mehr habe. Es waren keine wichtigen Daten drauf.
Ist „olypedia.de“ gebackuped worden?
Weil: Ich kriege keinen Zugang dazu
bzw. es wird folgendes angezeigt:
„500 Internal Server Error
The server encountered an internal error or misconfiguration and was unable to complete your request.
Please contact the server administrator at service@webmailer.de to inform them of the time this error occurred, and the actions you performed just before this error.
More information about this error may be available in the server error log.“
1. Ja, es ist gebackupt. 2. Ich komme mit FTP drauf, der Server läuft also, aber anscheinend ist der olypedia-server selbst abgesemmelt. Hatte ich vor ein paar Wochen schon und hat sich dann wieder gegeben.
Ich kümmere mich morgen früh drum, wenn es dann immer noch nicht geht.