
Was ist das wichtigste Zubehörteil an einem Objektiv? Die Streulichtblende! Ähh – Nein. Der Rückdeckel.
Der Hintergrund ist simpel. Es gibt drei Zubehörteile beim Objektiv: Vorderen Deckel, Rückdeckel, Streulichtblende.
Wenn man die Streulichtblende nicht draufmacht, dann geht das so lange gut, wie die Lichtquelle nicht aufs Objektiv scheint. Sonne im Rücken des Fotografen – alles schick. Ja, man kriegt mehr Dreck und Kratzer auf die Frontlinse, weil der mechanische Schutz wegfällt, aber bevor die Bildqualität ernsthaft beeinträchtigt wird, muss schon verdammt viel passieren.

Hier haben wir ein 14-54 mit komplett beschlagener Frontlinse. Nichts, was man nicht mit ein bisschen EBV beheben könnte. Kratzer auf der Frontlinse? Ja, wenn die Sonne in die Kratzer scheint, dann ist das ein bisschen doof, macht Flares. Abhilfe: schwarzer Edding.
Wenn man den Frontdeckel nicht draufmacht, staubt die Frontlinse ein, Nikotin, Kohlenwasserstoffe, alles mögliche sammelt sich an und im Zweifel sorgen sogar Sandpartikel in der Fototasche für kleine Kratzer. Dumm. Aber, siehe oben, kein echter Beinbruch. Ab und zu putzen und der Käse ist gegessen.
Der Rückdeckel: Der Rückdeckel schützt die Hinterlinse. Früher – ja, früher, als kleine pelzige Wesen von Alpha Zentauri noch echte kleine pelzige Wesen von Alpha Zentauri waren – war das bei allen längeren Brennweiten wurscht, weil die gar keine Hinterlinse hatten. Die Dinger hatten vorne den Objektivkopf und der Rest war simpel ein Rohr. Da konnte man die hintere Linse weder verkratzen noch so ohne weiteres putzen.

Von links nach rechts: Biotar 58mm f/2, Vivitar 135mm f/2,8, Pentax 35-70 f/2,8-3,5, Orestor 135mm f/2,8. Über all steckt die hinterste Linse ein ganzes Ende im Gehäuse. Ausnahme: Das Biotar, bei dem die Hinterlinse bei entsprechender Fokusstellung sehr weit nach hinten kommt. Das liegt an der dicken Sechs-Linser-Konstruktion, die extra auf 58mm „verlängert“ wurde, weil sonst der Spiegel an der Hinterlinse hängengeblieben wäre.
Bei den neueren Objektiven sitzt hinten ein Linse. Direkt am Ende des Objektivs. Wenn die dreckig wird, wirkt sich das sofort auf das Bild aus. Fingerabdrücke, Staub, Flecken. Egal was. Je kürzer die Brennweite und je geschlossener die Blende, desto mehr sehen die Flecke nach Sensorflecken aus. Ich habe mal eine Stunde den Sensor meiner Kamera poliert – mit Lupe und allem Schwippdiwipp – und wollte die Knipse schon einschicken – da habe ich zufällig auf die Hinterlinse meines 14-35 gekuckt. Uiii. 10 Sekunden, alles wieder schick.
Solange es nur um Dreck geht, ist das alles kein Problem. Kratzer auf der Hinterlinse sind allerdings ein Problem. Da hilft kein Edding mehr, da ist Ersatz gefragt. Wenn es keinen mehr gibt, herzliches Beileid. Also: der Rückdeckel ist die Lebensversicherung des Objektivs.
Aber wenn man das Objektiv auf die Frontlinse stellt, dann kann da doch nichts drankommen?
Schon mal Fliegenschisse abgeputzt?
Also: Wenn ihr in Zukunft seltsame Effekte auf euren Fotos seht, auch mal einen Blick auf die Hinterlinse werfen. Lohnt sich manchmal.
Gibt es eigentlich einen praktischen Grund, weshalb die Micro Four Thirds Rückdeckel von Panasonic dicker sind („mehr Luft haben“) als jene von Olympus? Damit auch hochlichtstarke Objektive mit herausstehender Hinterlinse Platz haben? Der abgebildete „Micro“ Rückdeckel hält übrigens in meiner Erfahrung deutlich schlechter als die Originale.
Danke für den wichtigen Beitrag (ich musste das mit den Kratzern auf der Hinterlinse bei einem teuren Occasionsobjektiv auch schon bitter erfahren – und dazu noch Sand im Zoommechanismus…).
Einen schönen Tag wünscht Gregor
Ich drücke jetzt hier einfach den Like-Button, daß das mal so klar gesagt wurde.
Wobei die Hinterlinse bei langen Brennweiten sofort ins Spiel kommt, sobald es sich um eine echte Telekonstruktion handelt. schließlich will der Nutzer ja kompakte Optiken.