Das geht doch in Photoshop…

und wieder kamen die Kommentare – das mit dem nachbearbeiteten Monochrom kann man doch viel besser daheim am Computer machen.

Ich habe es im LiveStream mehrfach erwähnt: Wenn der Film fast nur blau sieht, ich aber rosige Gesichter habe, dann muss ich brutal überbelichten, damit die Gesichter nicht absaufen. Die Klamotten dürfen keine blauen Teile haben, weil die sonst ins Weiß ausfressen. Da sind Dinge, die ich in der Bildbearbeitung natürlich alle einzeln korrigieren kann – aber dann kann ich das ganze Bild auch gleich per Hand malen.

Wenn ich im b/w mit Farbfiltern arbeiten will, dann ist es sinnvoll, das vor Ort zu machen. Weil ich dann die Belichtung anpassen kann, ich kann mein Motiv unter Umständen verändern oder eine andere Perspektive suchen, die störende Farben ausblendet.

All dies ist am Computer daheim nicht mehr möglich. Ich kann natürlich das RAW hochziehen, aber das hat Grenzen und gerade ein harter Farbfilter kann die Belichtung locker um drei Blenden verändern.

Es ist keine Kunst, im Nachhinein am RAW mit dem Kanalmixer zu spielen. Das ist nicht mal sonderlich anspruchsvolles Handwerk.

Was eine Kunst ist, sich vor Ort mit den Farben auseinanderzusetzen. Durch Farbfilter Dinge auszublenden. Andere Dinge hervorzuheben. Am „Motiv zu arbeiten“. So lange, bis das Motiv genau das zeigt, was man zeigen will. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Und dann die Belichtung am Motiv ausrichten. Das tollste Zonensystem ist keinen Schuss Pulver wert, wenn die Farbe des Motivs nicht verstanden wurde.

Grünfilter

Das vernichtende Urteil über jedes Schwarz/Weiß´-Foto „Das ist ja nur entsättigt“ – Wenn das Bild richtig gemacht ist, dann reicht das vollständig aus. Und wenn das Motiv nicht verstanden wurde, dann hilft auch das wildeste SilverEfex nicht weiter.

Diese ganze Nummer „Farbe lenkt nur ab, ich konzentriere mich auf das Wesentliche: Schwarz/weiß“ halte ich für eine Ausrede. Wer in Farbe sein Motiv nicht versteht, wird es auch in Schwarz/Weiß nicht tun. Nur ist halt Schwarz/Weiß „Cool“. Sozusagen ArtFilter für Hipster.

Und genauso wie ArtFilter durchaus die Bildaussage – so eine da ist – unterstützen können, kann das SchwarzWeiß. Also nichts dagegen. Aber keine Farbe ist nicht „besser“ oder „schlechter“ als Farbe. Man muss halt wissen, was man damit machen will.

Ein kleines Beispiel: Eine rote Telefonzelle sieht in der Nacht für uns schwarz aus. Hätte es 1870 schon rote Telefonzellen gegeben, so wären sie auch als „schwarz“ fotografiert worden. Ein heutiger, panchromatischer Film – und eine simple Entsättigung – bildet die Telefonzelle grau ab und wenn ich einen Rotfilter vorsetze, ist das Ding fast weiß. Farbe ist also wichtig. Das Verständnis der Farbe ist wichtig. Die Absicht hinter einem Bild ist wichtig. Dort, wo das Bild gemacht werden soll.

Rotfilter

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