
Man kennt das. Man kommt im Winter von draußen in die warme Kneipe und Zack – die Objektive sind beschlagen und man muss erst mal warten, bis alles akklimatisiert ist. So weit nichts Neues.
Ein Leser hat nun eine andere Erfahrung gemacht. Der sitzt seit Wochen im regnerischen Mittelamerika bei 100% Luftfeuchte und 25 bis 30 Grad. Der hat gar keine großen Luftfeuchteunterschiede drinnen/draußen. Trotzdem beschlägt die Hinterlinse des Objektivs beim Knipsen – und gelegentlich auch der Sucher.
Vor allem, wenn er Dinge macht, die den Sensor belasten. ProCapture. Oder SH2. Beim 150-400 und dem 50-200 beschlägt die Hinterlinse, beim 90er Makro nicht.
Der Grund ist simpel: Der Sensor wird warm. Warme Luft kann mehr Wasser speichern. Wasser ist bei 100% Luftfeuchte ausreichend da. Also ist im Kameragehäuse mehr Wasser in der Luft, als im kühleren Objektivgehäuse. Und Zack haben wir Kondensation an der Hinterlinse und am kühleren Sucherglas.
Abhilfe: Warten, bis sich die Kamera wieder abgekühlt hat.
Warum beschlagen das 150-400 und das 50-200 und das 90er Makro nicht? Das 50-200-Gehäuse besteht ja laut Nils Häusler aus “hochwertigem Kunststoff”. Das dürfte schlicht eine andere Isolation haben als das 90mm-Makro. Zum Gehäusematerial des 150-400 darf ich mich nicht äußern.
Das ist natürlich ausgesprochen lästig. Da denkt man, man hat eine wetterfeste Kombi und wenn es mal wirklich regnet, geht relativ schnell nichts mehr.
Aber im Endeffekt ist genau das Gegenteil der Fall. Wenn man eine Kamera hätte, bei der es zu allen Ecken reinpfeift, dann kann da nichts beschlagen. Je dichter aber die Sache ist, desto größer ist das Problem der Luftzirkulation. Die Alternative ist ein Unterwassergehäuse mit einem Pack Silicagel innendrin. Da ist es wahrscheinlich immer noch besser, ab und zu mal das Kameragehäuse lüften zu lassen. Schon allein, weil mir kein Unterwassergehäuse bekannt ist, in dem man das 150-400 unterbringen könnte.
Astronomen kennen das Problem und heizen die Teleskope. Eine Heizmanschette um das Rohr und es ist Ruhe. Bei der Kamera gibt es da noch einen kleinen aber wesentlichen Unterschied. Wird das Rohr zu warm, Beschlägt sich der Sensor. Man müsste also passend zum Sensor heizen. Dafür wäre es notwendig, die Temperatur an der hinteren Linse bzw. im Raum dort zu messen. Das ginge theoretisch, wenn das Objektiv einen Filtereinschub hat, durch den man einen Temperaturfühler einführen kann.
Das mit dem Gehäuse um ein 150-400 ist machbar, aber definitiv unhandlich.