
Dagmar hat mich gerade angeschrieben, es hätte ihr jemand gesagt: ” Ein gutes Bild ist ein gutes Bild.” Quasi der Absolutheitsanspruch. Ein Sieger eines Wettbewerbs ist immer ein gutes Bild. Kann gar nicht anders sein. Weil. Aus Gründen.
Nun könnte man da allerhand anführen. Zeitgeschmack, unverstandene Symbolik, persönliche Interessen, Kitsch, Kunst – alles das. Diese Diskussion ist gefühlt eine Million mal geführt worden und Unmassen von Websiten versuchen einem zu erklären, was das gute Bild ausmacht. Und wenn man all diese tollen Tipps befolgt, hat man unweigerlich ein gutes Bild.
Hat man nicht.
Nach zwei Jahrzehnten Internet behaupte ich jetzt mal frech: Es gibt kein allgemeingültig gutes Bild.
Genauso wie Leute ein Scheißbild ihres Enkels “total süß” finden, würde kaum einer ein wirklich hervorragendes Bild von Adolf Hitler “gut” finden. Porsche-Hasser finden alle Bilder, auf denen ein Porsche drauf ist, Kacke und die Mails, in denen mir bescheinigt wird, dass alle meine Bilder Schrott und alle meine Models potthässlich sind, kann ich stapeln.
Es ist eine Illusion, zu sagen “Ich schaue mir Bilder von anerkannten Fotografen an und lerne davon und mache dann irgendwann selber gute Fotos.” Diese “anerkannten Fotografen” sind von anderen anerkannt. Irgendwer hat mal gesagt “Du bist toll” und andere haben es geglaubt und genickt. Kunst halt. Kunst ist dann Kunst, wenn andere es dazu erklären. Standardspruch: “Das ist Kunst, das kapierst Du nicht.”
Aber manche Bilder finden manche Leute doch trotzdem gut? Jo. Das ist genau das, was gute Fotografen ausmacht. Zielgruppenansprache. Wenn meine Zielgruppe andere Raubvögelfotografen sind, dann muss ich besonders schwierige Fotos von besonders seltenen Raubvögeln machen. Wer sich nicht für Raubvögel interessiert, für den ist das Foto zum Gähnen. Wenn meine Zielgruppe eine Künstlerclique ist, dann kann ich mit großflächigen Unschärfen arbeiten und sogar das Hauptmotiv verwischen. Oma Elfriede fragt dann “Da war die Kamera kaputt, oder?”. Wenn Jugendliche nur Selfies von sich selbst kennen, dann können Sie mit einem Bild, auf dem sie so aussehen, wie sie wirklich sind, nichts anfangen.
Also meine These: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.
Sorry, der ist geklaut.
Bildbetrachtung ist subjektiv. Ein Bild ist dann gut, wenn es der Zielgruppe gefällt.
Die Existenz eines allgemeingültig guten Bildes halte ich für eine Illusion. Unabhängig von Regeln für die Verbesserung der Bildgestaltung, die natürlich alle mehr oder weniger gültig sind. Aber ein perfekt aufgebautes Bild eines Hundehaufens ist immer noch ein Bild eines Hundehaufens und es gibt nun mal Leute, die Bilder von Hundehaufen eklig finden.
Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren.
Ich hab mal einen Haufen an Unterwasser-Bildern im Zuge einer Reportage an einen Verlag geschickt. Davon sind einige zur Illustration verwendet worden. Einige Zeit später hab ich dann nochmal ein Honorar für eine Veröffentlichung bekommen. Eines der Bilder, das aus meiner Sicht knapp am Rande der Tonne vorbei war hat für einen Redakteur super als Aufhänger für einen Beitrag gepasst. Halbe Seite im Titel des Beitrags. War in dem Kontext ein “gutes” Bild, weil es die Intention des Autors verstärkt hat. Zielgruppe halt, wie Reinhard schreibt.
Ich wusste es schon immer.
Meine Bilder sind die besten, schönsten und tollsten…
LG Andreas
Was soll ich dazu sagen? Reinhard hat ES getroffent? Hat er.
“getroffen” – nicht “getroffent” :-))